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Sagmeister & Walsh - Beauty: Denkwürdig schön

Rom, Paris, Rio de Janeiro, Kyoto, Kapstadt, Sankt Petersburg, Wien, San Francisco & Barcelona gelten als die 10 schönsten Metropolen der Welt, so lernt man es in der Ausstellung „Beauty“, um gleich den Haken an diesen Prachtdestionationen zu erfahren: „Immer wenn wir eine dieser schönen Städte besuchen, sind all die Leute aus den hässlichsten Orten dieser Welt auch da“. Es ist einer dieser Sätze, die aus einer persönlichen Erfahrung heraus ein allgemein gültiges Phänomen beschreiben, heiter mit einem melancholischen Nachgeschmack. In Sieben Aspekten – teils mit aufwendigst gestalteten Objektgruppen – spüren Stefan Sagmeister und Jessica Walsh multimedial der Schönheit nach.


Freilich fühlt man sich an „The happy Show“ erinnert, als Sagmeister, gleichsam als Ritter der traurigen Gestalt, auf die Suche nach dem Glück allerlei Selbstversuche unternahm und das Publikum zu ähnlichem aufforderte (siehe dazu die --> artmagazine Kritik). „Beauty“ ist nach einem ähnlichen Muster gestrickt. Auch diesmal ist es eine Mitmachausstellung geworden. Unterschiedlichste Erkenntnisse werden geistreich visualisiert wie inszeniert, hierbei werden weder Kosten noch Mühen gescheut und selbstverständlich darf man ob der dargebrachten opulenten Vielfalt und gestalterischen Finesse hingerissen sein. Gleich am Eingang schreitet man durch einen Vorhang aus Nebel auf den ein blumig ziseliertes B für Beauty als Signet projiziert ist. Drinnen darf man immense Vogelschwärme leiten, man quetscht sich durch eine Barriere aus lustig bunt bemalten aufgeblasenen Schweineblasen, beobachtet wie aus farbigen Kunststoffwasserflaschen edle Kronleuchter werden, erfährt einiges über das Schönheitsempfinden unterschiedlichster Kulturen und darf immer wieder mittels Pappmünzen über allerlei Präferenzen von Farben, Formen, Gerüchen oder sonstigem abstimmen.


Das funktioniert alles bestens und ist dem Augenschein nach höchst familienfreundlich, doch hie und da kommen einem dann doch nicht ganz so schöne Gedanken. Keine Frage, die Ausstellung ist in einem Museum für angewandte Kunst am richtigen Ort, bei dem Duo handelt es sich um Graphikdesigner, die in ihrem Metier in der höchsten Liga mitspielen, doch bisweilen geht zugunsten eines starken visuellen Moments die inhaltliche Komplexität verloren. Steht am Ende einer Reihe von 500 Jahren prunkvoller Trinkgläser wirklich der Plastikbecher aus dem Kaffeeautomaten? Oder gehen es nicht eben diese Belege an 500 Jahren Alltag vorbei? Und freilich wirken die in Zentralperspektive aufgenommenen Fotos aus der Moskauer U-Bahn nachgerade prachtvoll gegenüber der 70er-Jahre-Funktionalität im Münchner Untergrund, noch dazu auf Abbildungen mit weit an den Rand gerückten Fluchtpunkten. Stellt man sich die Frage, ob die Bewohner Moskaus das Leben unter Stalin ebenso schön fanden wie jene von München unter Willy Brandt, sieht die Sache womöglich etwas anders aus. (Eine Lösung, karge urbane Unorte mit etwas Farbe zu Instagram-tauglichen Hotspots zu verwandeln, führen die beiden in der allenthalben mustergültig gestalteten Begleitpublikation selbst vor.) Auch gerät man angesichts des Sensory Rooms im Untergeschoss ins generelle Grübeln. Außen mit Tausenden Svarovski-Kristallen bestückt, erwartet den Besucher im Inneren der Kammer gleichsam die Quintessenz dessen, was offensichtlich von einer Mehrheit als schön empfunden wird: ein Wechsel der Farben des Sonnenuntergangs im Nebel, der Duft von Zitrusfrüchten und der Klang des Malaysischen Sumpffrosches. Dem Vernehmen nach soll man sich danach wohl und gut fühlen, doch fragt man sich einmal mehr, ob der Luxus (außen) und Wohlbefinden (innen) zwingend etwas mit Schönheit zu tun haben müssen. Hat Sagmeister womöglich auf der Suche nach Schönheit doch das Glück gefunden? Oder hat er einfach den guten alten Stendhal umgekehrt? Bei dem heißt es so treffend, Schönheit wäre das Versprechen auf Glück.


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Im Anschluss ist die Ausstellung von 10. Mai bis 22.September 2019 im Frankfurter Museum für angewandte Kunst zu sehen.

Sagmeister & Walsh - Beauty
24.10.2018 - 31.03.2019

MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst
1010 Wien, Stubenring 5
Tel: +43 1 711 36-0, Fax: +43 1 713 10 26
Email: office@mak.at
http://www.mak.at
Öffnungszeiten: Di 10-22 h (18-22h freier Eintritt), Mi-So 10-18 h


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