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Kunst sehen statt schauen

Das Wiener Erfolgsmodell "Curated by_" geht mit 21 Galerien in die neunte Runde und beweist, dass es sehr wohl möglich ist, unterschiedlichste Ausrichtungen und Programme von Galerien thematisch unter einen Hut zu bringen. "image/reads/text. Sprache in der zeitgenössischen Kunst" ist ein Glücksgriff in mehrerer Hinsicht: Der formale Rahmen ist eindeutig, ohne sich auf ein bestimmtes Medium zu beschränken, während thematisch keine Grenzen gesetzt sind. Gleichzeitig ist Sprache nach Phasen munterer Figuration und oft als beliebig empfundener Abstraktion in der Kunst aktueller denn je.


Die Kuratoren in den Galerien der Schleifmühlgasse fächern das ganze Spektrum des ihnen zur Verfügung gestellten Feldes auf. Bei Unttld mutet das Kölner Kuratoren-Duo Mèlange, bestehend aus Patrick C. Haas und Jonas Schenk, dem Besucher unter dem Titel "Mother's Tongue and Father's Mouth" schwere Kost aus Konkreter Poesie, Performance, Artificial Intelligence, Narrativen mit unbestimmten Erzählerrollen und einem am Tourette-Syndrom gescheiterten Priesteranwärter vor. Ergänzendes Material zu den Arbeiten der sechs Künstler stellt eine eigens herausgegebene Publikation bereit.


Moritz Wesseler, Direktor des Kölnischen Kunstvereins, hat bei der Christine König Galerie mit Uri Aran ebenfalls eine Position ausgewählt, die sich wegen ihrer dezenten Komplexität im Messekontext kaum vermitteln ließe und einen größeren Zusammenhang braucht, um die unterschiedlichen Annäherungen des Künstlers an Narration und Sprach(er)findung aufzufächern. Seine wie in einer Notation gruppierten Kleinbronzen an den Wänden suggerieren Zeichen und Sinn und entziehen sich doch jeder sinnvollen Interpretation, während seine Zeichnungen mit Anspielungen an Stile verschiedener Epochen die Sinnsuche des Betrachters foppen.


Der Künstler Michael Riedel kuratiert gemeinsam mit Sabine Schaschl, Direktorin des Züricher Museums Haus Konstruktiv, seine eigene Arbeit "One And Three Chairs", die sich als wanderndes Dauerprojekt seit 2005 mit der gleichnamigen Arbeit Joseph Kosuths aus dem Jahr 1965 auseinandersetzt. Als weitere Kuratoren dieser Verweisorgie werden noch Barbara Rüdiger, Vitus H. Weh und Luisa Ziaja bemüht.


In die Vollen greift Georg Kargl Fine Arts. Hier hat Gregor Jansen, Direktor der Kunsthalle Düsseldorf, Ferdinand Kriwet eine museumswürdige Ausstellung bereitet. Seine Buchstabenbilder und Sehtexte reichen bis in die frühen 60er Jahre zurück und sind anders, als Vieles, was im Kunstmarkt aktuell als Neu- oder Wiederentdeckung aus dieser Zeit gefeiert wird, tatsächlich Teil der Kunstgeschichte.


Curated by_ bekräftigt mit seiner aktuellen Ausgabe die Funktion des Galerieraums als Maschinenraum der zeitgenössischen Kunstvermittlung und des Diskurses. Inhaltlich ist das Format anspruchsvoller als jedes Gallery Weekend.


Links:
Gabriele Senn Galerie: curated by_ Sabine Schaschl + Michael Riedel: One and Three Chairs (Wien)


Christine König Galerie: curated by_ Moritz Wesseler: Uri aran - Time For An Early Mark


Georg Kargl Fine Arts: curated by_Gregor Jansen: KRIWET


unttld Contemporary: curated by_MÉLANGE (Patrick C. Haas & Jonas Schenk): Mother’s Tongue and Father’s Mouth – Vol. I

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