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(10.11.06) Im Land der Barbaren
Das Stück MARIKO HORO erlaubt zunächst die Nutzung der Phantasie einer zeitreisenden japanischen Künstlerin, die sich den Westen vorstellt. Es entstand eine Gegenfigur zu Marco Polo und dessen Nachfolgern, zu deren Zeiten Japan von portugiesischen Kolonialbestrebungen ebenso geprägt, wie von jesuitischen Christianisierungsversuchen bedrängt wurde. Den Handlungsort bildet die Lagune von Venedig, die - formal generiert - sich in beinahe endlosen Überlagerungen immer weiter verdichtet. Die Entscheidung, einzelne Elemente durch stetige Wiederholung in wahre Bildströme zu verarbeiten, geben dabei dem Geschehen sowohl Unentrinnbarkeit wie Dynamik. Die Vermischung japanisch-buddhistischer und byzantinisch-orthodoxer Bildquellen prägt die visuelle Ästhetik der Arbeit, die durch die bearbeiteten Themen noch an Dramatik gewinnt. Am Ende wird die fröhliche Farbigkeit bedrohlich und religiös übermächtig. Für die Performance wurden Teile der Arbeit als lineare Bildwelten projiziert und zwei japanische Butoh-Tänzer individualisierten das Geschehen. Auch dies scheint Teil eines stringenten Konzeptes zu sein, gilt Butoh doch als Variation des deutschen Ausdruckstanzes und als zeitgenössische Antwort auf Hiroshima. Dementsprechend wurden Schatten - auch im Sinne Dantes - zu einem zentralen Element. Tamiko Thiel generierte zwei parallele Wahrnehmungsebenen, die in ihrer Eigenständigkeit wie auch wechselweisen Durchdringung funktionierten und MARIKO HORO ist damit ein gleichermaßen politisch, kulturell wie formal sehr interessantes Medienkunstprojekt. www.mission-base.com/tamiko Ursula Hentschläger
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