Familienbande
Nina Schedlmayer, 14.11.05
Hans Dürer. Ernst Klimt. Seton Smith. Keine Schreibfehler, sondern die Brüder von Gustav, Albrecht und Kiki. Dass diese wie ihre berühmten Verwandten ebenfalls künstlerisch tätig waren, dürfte den wenigsten bekannt sein. In einer etwas chaotisch gehängten, aber instruktiven Schau versucht das Haus der Kunst dem geschwisterlichen Kunstschaffen auf den Grund zu gehen - und das quer durch die Jahrhunderte. Das beginnt mit den Künstlerschwestern, den Heiligen Harlinde und Relinde, von denen eine legendenumwobene Monstranz ausgestellt ist. Wo keine gemeinsamen Arbeiten existieren, hat Kurator León Krempel versucht, die Beziehung der Geschwister zueinander zu thematisieren: Diese zeigt sich sehr schön etwa in Sofonisba Anguissolas Gruppenporträt von 1555, in dem sie in beinahe psychologischer Durchdringung ihre Schwestern beim Schachspiel gemalt hat. Oder auch in Wilhelm Schadows "Selbstbildnis mit seinem Bruder Ridolfo und mit Berthel Thorvaldsen", in dem er sich selbst als vergeistigen Maler unter der Schirmherrschaft des älteren Künstlers darstellt, seinen Bruder hingegen als hemdsärmeligen, unterschwellig aggressiven Bildhauer - eine Anspielung auf den Paragone, die aber auch einiges über eine wohl nicht ganz unproblematische Bruderbeziehung erzählt. Einen eigenen kleinen Raum hat man der Familie Duchamp gewidmet - die in ihrer stilistischen Disparität frappiert: kubistische Skulptur, sensible Porträts, brav gemalte Blumenstillleben finden sich neben dem unvermeidlichen Ready Made, hier eine Schneeschaufel. Die beeindruckendste Auseinandersetzung mit dem Geschwisterproblem aus der Gegenwart stammt von den Schwestern L. A. Raven, die in ihrem stillen, deswegen aber nicht weniger dramatischen Video gemeinsam in einem See schwimmen - nach anfänglichen Ersäufungsversuchen umkreisen sie einander skeptisch, nähern sich einander an, wie zwei ständig wechselnd gepolte Magneten.
Bei so vielen Künstlerinnen verwundert natürlich der Titel "Künstlerbrüder". Der sei aber, so der Pressetext, der Romantik geschuldet, als die "geistige Brüderschaft" zu einem Ideal wurde. Eine Begründung, aber kein Argument. Der Ausstellung selbst tut dies wenig Abbruch.

80538 München, Prinzregentenstraße 1
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Haus der Kunst München
Künstlerbrüder - von den Dürers zu den Duchamps
19.10.2005 bis 26.01.2006

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