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(14.06.05)
La Biennale di Venezia - Arsenale
Always a Little Further 12.06.05 bis 06.11.05
Selbsterfahrungstrip statt Bildungsreise
Wenn eine Ausstellung eine Reise ist, wie es uns Rosa Martínez nahelegt, dann beginnt die von ihr kuratierte im immer wieder wunderbaren Arsenale mit falschen Erwartungen. Oder auch wieder nicht.
Gleich am Anfang nämlich prangern die Guerilla Girls auf ihren Posters in bewährter Manier die noch immer aktuelle männliche Dominanz im Kulturbetrieb an. Im selben Raum hängt ein überdimensionaler Leuchter von Joana Vasconcelos, bestückt mit 14 000 Tampons, für den die Süddeutsche die einzig richtige Bezeichnung gefunden hat: dämlich. Und dennoch: ein Statement.
Plakativ, politisch, engagiert, kritisch, feministisch könnte, so folgert man, diese Ausstellung mit ihrem nichtssagenden Titel ausgerichtet sein. Weit gefehlt. Tatsächlich trieb Regina José Galindo mit ihrem radikalen Video von ihrer Jungfernhäutchen-Rekonstruktion Rocco Buttiglione die Zornesröte ins Gesicht - und bekam sogar den Goldenen Löwen für die beste Nachwuchskünstlerin. Kritische Arbeiten wie diese Performance bleiben allerdings in der Minderzahl.
Lieber schickt man das Publikum auf Reisen in andere Sphären: In Mariko Moris Wave UFO guckt man hübsche, angeblich per Brainwave-interface generierte Bildchen und relaxt. In Sergio Vegas orange-grünen Environment lümmelt man herum und hört Bossanova, in John Bocks Trashwelt bewundert man ebendiesen, wie er sich als obsessiver "Hero Zero" durch wattegefüllte Pulloverhaufen wühlt und existentialistischen Kauderwelsch kreischt. Oder man taucht in Carlos Garaicoas finstere Halle, in der wenig Licht durch Löcher in der Form von venezianischen Bauten einfällt.
Auch in ihrem kurzen, etwas eitlen Katalogessay spricht die Kuratorin von "romantischen Illusionen" und vom "Schaffen temporärer Welten". Letzteres scheint ihr gelungen zu sein. Inhaltlich sind diese Welten allerdings nicht gerade die komplexesten.
Appellierten die Ausstellungen im Arsenale bei der vorigen Biennale in ihrer Sprödheit vielfach eher ans Hirn, so setzt man diesmal auf das Sinnliche, Emotionale. Es ist keine Bildungsreise, auf die uns Martínez mitnimmt. Und auch kein Guerillacamp. Eher schon ein Selbsterfahrungstrip.
Nina Schedlmayer

La Biennale di Venezia - Arsenale 30122 Venezia, http://www.labiennale.org Öffnungszeiten: täglich 10 - 18 h, Dienstag geschlossen
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